
Case Study Fulfillment
Wie ein Longevity-Unternehmen sein internationales Wachstum erfolgreich skaliert
30.03.2026 von TRANSCO Team
Im Gespräch mit dem Schweizer Tagesanzeiger erklären Julian Gräble, Global Head of Customs, und Mike Bührer, Head of Branch im
TRANSCO Logistikzentrum in Gottmadingen, wie wir Schweizer Kunden bei der digitalen Transformation unterstützen, logistische Schwachstellen abbauen und ihnen dank Verzollungslösungen den Schritt ins Ausland erleichtern.
Mike Bührer: Im modernen E-Commerce sehen wir eine spannende Dynamik: Viele Schweizer Brands haben hervorragende Produkte und sind stark im Heimmarkt, doch der Sprung in die EU wirkt oft abschreckend. Die Grenze ist dabei nicht nur eine physische Linie, sondern steht auch für regulatorische Dichte und Zusatzaufwand. Darum ist der Schritt in die EU gerade für junge, aufstrebende Brands mit grosser Unsicherheit verbunden. Sie wissen, dass der Markt enorme Chancen bietet, fürchten aber die logistische Komplexität.
Julian Gräble: Die Herausforderung liegt im Detail: Stammdatenmanagement, Zollkalkulationen und die korrekte Deklaration sind keine Aufgaben, die man «nebenbei» erledigt. Ohne fundiertes Know-how entstehen hier schnell Kostenfallen. Dementsprechend bieten wir bei Transco keine Lösungen von der Stange, sondern wir bauen massgeschneiderte Brücken. Wir übernehmen beispielsweise das gesamte Zoll-Engineering, so dass die Grenze für unsere Kunden faktisch unsichtbar wird.
Mike Bührer: Tatsächlich ist das Retourenmanagement ein oft unterschätzter Faktor in heutigen Supply Chains. Besonders im Fashion-Bereich, wo es zu vielen Rücksendungen kommt, entscheidet die Effizienz der Rückabwicklung über Gewinn oder Verlust. In unserem Logistikzentrum in Gottmadingen (DE) kontrollieren wir Retouren physisch und unmittelbar. Wir machen die gesamte Kette transparent – vom ersten Packen bis zur Wiedereinlagerung. Dies immer mit dem Ziel, für unsere Kunden echte «End-to-End»-Exzellenz zu gewährleisten.
Mike Bührer: Die wesentliche Schwachstelle liegt heute fast immer in der fehlenden Datendurchgängigkeit: Ein modernes E-Commerce-Unternehmen jongliert oft mit drei oder mehr Systemen: dem Webshop, dem ERP-System und einer spezialisierten Software für die Retouren. Wenn diese Systeme nicht perfekt miteinander kommunizieren, entstehen Schwachstellen. Manuelle Nachbearbeitungen bei tausenden Aufträgen kann man sich schlicht nicht erlauben. Wir legen den Fokus deshalb auf eine vollautomatisierte, systembruchfreie Integration. Vereinfacht gesagt muss alles «wie aus einem Guss» funktionieren.
Julian Gräble: Zeit ist im E-Commerce die wichtigste Währung. Obwohl wir für viele Kunden über unser Center in Gottmadingen agieren, ist die Abwicklung stets so getaktet, dass ein Schweizer Kunde sein Paket oft schon nach 24 Stunden in den Händen hält. Es fühlt sich für ihn wie ein Inlandsversand an. Das erlaubt es Schweizer Marken, ihre Swissness-Identität zu wahren, während sie im Hintergrund von den logistischen Vorteilen des EU-Standorts profitieren. Und international sind wir ebenfalls enorm agil: Lieferungen in die USA realisieren wir heute oft innerhalb von 48 bis 72 Stunden.
Mike Bührer: Ein konkretes Beispiel verdeutlicht das: Ein Schweizer Kunde war früher in der Schweiz sowie in Österreich mit separaten Fulfillment-Standorten vertreten. Das führte zu fragmentierten Beständen und hohen Fixkosten. Wir haben diese Bestände in Gottmadingen konsolidiert. Durch ein intelligentes Steuer- und Zoll-Setup versendet die Firma nun weltweit von einem einzigen Standort aus – und das schneller und kostengünstiger als zuvor.
Zu unseren Fulfillment-Services: Mehr
Mike Bührer: Wir setzen auf Automatisierung, weil diese sowohl Präzision als auch Geschwindigkeit erhöht. Unser Autostore-System umfasst rund 40 000 Behälter und 35 Roboter. Bei uns gibt es keine klassische Kommissionierung mehr, bei der Mitarbeiter lange Wege zurücklegen – die Ware kommt zum Menschen. Bei einem Portfolio von 3000 bis 4000 Artikeln je nach Kunde wäre ein manuelles Lager viel zu fehleranfällig. Zudem ist jeder Schritt bei uns scangestützt, was die Fehlerquote auf ein absolutes Minimum reduziert. Davon profitieren nicht nur unsere E-Commerce-Klienten, sondern auch unsere zahlreichen Industriekunden, deren Herausforderungen wir optimal lösen, etwa mit effizienten Werksverkehren, Logistik und Zolldienstleistungen. So begleiten wir unter anderem ein Bauunternehmen, für das wir die grenzüberschreitende Belieferung von Baustellen abwickeln.
Julian Gräble: Wir vergessen aber auch die traditionellen Unternehmen nicht, die vielleicht IT-technisch noch nicht auf dem neuesten Stand sind. Wir bieten individuelle Schnittstellenlösungen an, um auch sie nahtlos anzubinden. Zudem nutzen wir bereits KI-Module im Zolldatenmanagement, um Risiken früher zu erkennen und die Compliance zu sichern.
Julian Gräble: Viele denken beim Zoll nur an Abgaben und Steuern. Aber die Compliance geht viel tiefer. Das SECO überwacht strikte Verbote und Beschränkungen. Nehmen Sie Lebensmittel oder Medizintechnik: Ohne die richtigen Zertifikate und eine lückenlose Compliance-Kette kommt die Ware nicht über die Grenze. Wir prüfen diese Listen für unsere B2C- und B2B-Kunden «querbeet» durch. Wir bieten Sicherheit aus einer Hand, damit der Kunde nachts ruhig schlafen kann.
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Mike Bührer: Unsere E-Commerce-Kunden haben vermehrt auch B2B-Kunden in ihrem Portfolio. Hier unterscheidet sich der Prozess oft massiv vom D2C-Prozess. So setzt man etwa aufgrund der höheren Gütermengen auf Paletten- statt Paketversand. Das erfordert ein völlig neues Logistik-Setup. Transco kann durch die eigene Spedition beide Welten bedienen. Wir werden so zum «Marktvergrösserer» für unsere Kunden.
Julian Gräble: Ein weiterer Trend liegt in den «Value Added Services». Dabei wird das Auspackerlebnis – das sogenannte «Unboxing» – für unsere Kunden zum Marketinginstrument. Wir legen Seidenpapier ein, bringen Sticker an oder verpacken Waren in hochwertige Geschenkboxen. Auch das Refurbishment von Retouren wird immer wichtiger, denn hier geht es um Nachhaltigkeit: Retouren sollen nicht einfach entsorgt, sondern professionell aufbereitet und wieder in den Kreislauf integriert werden.
Mike Bührer: Logistik ist und bleibt ein «People Business». Die zwischenmenschliche Chemie muss stimmen. Wir legen daher Wert darauf, dass potenzielle Kunden zu uns kommen und die «Luft auf der Fläche» schnuppern. Wir arbeiten mit eigenem Personal statt mit Subunternehmern, unsere Mitarbeiter identifizieren sich mit den Marken unserer Kunden – diese Awareness sorgt für eine Qualität, die man fühlt und sieht. Der technische Prozess ist dann hochgradig strukturiert. Ein Projektmanager führt das Onboarding durch und erstellt einen massgeschneiderten Projektplan mit klaren Meilensteinen. Wir gehen erst live, wenn das End-to-End-Testing perfekt verlaufen ist. Denn unser Anspruch lautet, dass die Implementierung so reibungslos wie möglich erfolgt. Wenn der Kunde am Ende sagt, es laufe «wie ein Schweizer Uhrwerk», dann
haben wir unseren Job richtig gemacht.
Das Interview ist am 27.03.2026 im Schweizer Tagesanzeiger, in der Sonderpublikation zum Thema „Next Level Supply Chain“, erschienen. Zur Publikation
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